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MANIFEST :

DIE BLOCKFLÖTE IM 21. JAHRHUNDERT


ERSTER ENTWURF

 

Präambel

P/1. Ziele des Manifests

Das Manifest - als ein auf breitem Konsens fußendes Dokument - ist gedacht zur 

  • Information der Öffentlichkeit
  • Argumentationshilfe in bildungspolitischen Diskussionen
  • Grundlage für weitere Entwicklungen und Diskussionen in der Blockflötenwelt

P/2. Entstehung

Das Manifest soll (mit Hilfe des Internet) weithin diskutiert und beim Europäischen ERTA-Kongress im November 2006 verabschiedet werden. 

(Wenn es uns gelingt, es zustande zu bringen, könnte es einige Bedeutung erlangen... Wenn nicht, ist nichts verloren!)

 

 

ABSCHNITT A: GESCHICHTE UND GEGENWART

Kapitel I: Zur Geschichte der Blockflöte

I/1. Mittelalter und Renaissance

Wir wissen, dass die Blockflöte im Mittelalter verwendet wurde, aber wir wissen (noch) nicht (wirklich), wie (welche Art von Instrumenten, welche Musik, wie gespielt). Eine Herausforderung für zukünftige Forschung und interpretatorische Abenteuer!

In der Renaissance war die Blockflöte eines der am höchsten geachteten Instrumente. Es gibt eine Unmenge an wunderbarer Musik, die zu entdecken und aufzuführen ist (gemeinsam mit anderen Instrumenten oder im Blockflötenensemble)...

 

I/2. Barock

Die Solo- und Kammermusik aus dem Hochbarock bildet das Rückgrat des Blockflötenrepertoires, aber auch die Sonaten und Canzonen des Frühbarock (auch wenn nicht in erster Linie für die Blockflöte gedacht) wurden von Blockflötenspielern ans Licht gebracht und in das erweiterte Repertoire integriert. Mag auch der wertvollste Teil des Repertoires bereits bekannt und gedruckt sein, so gibt es immer noch unentdeckte Musik (z.B. die Blockflötenparts in der barocken Oper). Weitere Forschung wird neue Erkenntnisse über die Wandlung der Blockflöte von ihrem Renaissance- und frühbarocken Bau-Typ zum hochbarocken Instrument bringen.

Ein wichtiger Aspekt der barocken Blockflöten-Musik (abgesehen von ihrer virtuosen Brillianz) ist ihr Bezug zur Lehre von den „Affekten“, die uns den direkten Zugang zur Emotionalität der Musik öffnet (siehe auch III/1 und III/2).

Es wird allgemein angenommen, dass die Blockflöte um die Mitte des 18. Jahrhunderts aus der Kunstmusik verschwunden ist - das ist insofern richtig, als die bedeutenden Komponisten der Klassik und Romantik keine Werke für die Blockflöte hinterlassen haben. Eine nähere Betrachtung zeigt aber, dass es ein „Nachleben“ der Blockflöte gegeben hat, und manch hübsche Musik mag dazu führen, dass Csakan und Flageolet (als Nebeninstrumente?) von Blockflötenspielern aufgegriffen werden...

 

I/3. Das 20. Jahrhundert

I/3a. Die Blockflöte als Instrument der Musikerziehung

Das Interesse an der Blockflöte zu Beginn des 20. Jahrhunderts hing mit der Wiedererweckung der „Alten Musik“ zusammen. Ihre Popularität und schnelle Ausbreitung verdankt sie jedoch ihrer Verwendung als Instrument der Musikerziehung (mit dem Kollateralschaden, dass sie bis heute das Image des Kinderinstruments hat). In Deutschland haben Strömungen wie die Jugendbewegung zum verbreiteten Gebrauch (und manchmal Missbrauch) der Blockflöte geführt. Ab der Mitte des Jahrhunderts setzt sich fachgerechter Unterricht (verbunden mit professionellem Spiel, siehe I/3) auf allen Ebenen durch. Am Ende des Jahrhunderts setzen fachlich hoch ausgebildete Blockflötenlehrer(innen) den Standard (obwohl es immer noch Blockflöte unterrichtende Leute gibt, die ihren Schülern nicht viel voraus haben).

 

I/3b. Die Blockflöte als Konzertinstrument

Es hat einige Zeit gedauert, bis das Blockflötenspiel im 20. Jahrhundert professionelles Niveau (vergleichbar dem der modernen Instrumente) erreichte. Ab der Mitte des Jahrhunderts begann eine Reihe von wichtigen Spielern die virtuosen und expressiven Möglichkeiten des Instruments auszuschöpfen, aber auch neue Klänge und Spieltechniken zu erforschen. Diese Entwicklung wurde unterstützt durch das nun schnell wachsende Interesse an Alter Musik, aber auch durch Komponisten der sogenannten Avantgarde, die die Blockflöte (und ihre engagierten Spieler) als Partner bei ihrer eigenen Suche nach neuen Klängen und Strukturen entdeckten.

In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde die Spieltechnik stetig weiterentwickelt und verfeinert, wie sie es von den immer schwierigeren neuen Stücken verlangt wurde; zugleich wurde sie aber auch auf das traditionelle Repertoire angewendet, das sich zu dieser Zeit erweiterte und konsolidierte. Neue Forschung widmete sich der Bau- und Spielgeschichte der Blockflöte in früheren Epochen.

 

 

Kapitel II: Die gegenwärtige Situation - Analyse

II/1. Die Blockflöte im Unterricht

Musikschulen - Privatunterricht - Jobs? - Gruppenunterricht - Ensembleunterricht - Unterrichtsliteratur...

„In meinem Land...“

 

II/2. Die Blockflöte als Konzertinstrument

Jahrelanges Studium - Mucken und Karrieren - davon leben? - Repertoire und Spezialisierung - ein Ensemble finden oder gründen...

 

II/3. Institutionen und Organisationen 

Universitäten - Konservatorien - Musikschulverbände - Öffentliche Behörden stellen Lehrer an, entscheiden über Lehrpläne und Stundenpläne...

Die NGOs (Nicht-Regierungsabhängigen-Organisationen) der Blockflöte: die Society of Recorder Players (England), ERTA, ARTA (American Recorder Teachers Association),...

 

 

ABSCHNITT B: THESEN FÜR DAS 21. JAHRHUNDERT

Kapitel III: Blockflöte und Unterricht

III/1. Musikunterricht als Desiderat humaner Erziehung

Musik zu hören, zu spielen und zu verstehen ist ein elementares Menschenrecht (auch wenn es nicht ausdrücklich in der EMRK = Europäische Menschenrechts-Konvention angeführt ist) und sollte keiner weiteren Begründung bedürfen. Immer wieder wurde jedoch versucht, die Bedeutung von Musikunterricht durch Hinweise auf ihren positiven Einfluss auf das menschliche Verhalten zu unterstreichen. Tatsächlich zeigen jüngste Erkenntnisse der Neurowissenschaften sehr deutlich, dass das Erlernen eines Instruments zur emotionalen Entwicklung, zur Kommunikation zwischen linker und rechter Hinhälfte und zur Entwicklung einer gesunden Psyche beiträgt.

Und da ist da noch die Tatsache, dass die Instrumentallehrerin im Leben eines Kindes oft (zumindest für eine gewisse Zeit) die wichtigste Bezugsperson darstellt: 45 Minuten in der Woche sicher verfügbar, wie manche Eltern nicht...

 

III/2. Die spezifischen Qualitäten des Instruments Blockflöte

Erste Erfolge fast sofort (womit dem Vorurteil Vorschub geleistet wird, dass Blockflötenspiel so leicht ist...) - lädt dazu ein, einen Sinn für Tonqualität, Artikulation, Phrasierung und Intonation vom ersten Moment an zu entwickeln - Ensemblespiel möglich von der ersten Minute an - direkter Zugang zur Emotionalität von Musik (Affekte in der Barockmusik!) - (fast) unbegrenztes Repertoire...

 

III/3. Blockflötenunterricht in Grund- und Mittelstufe

Was ist mit Blockflötenschülern, die zu einem anderen Instrument wechseln? - Was ist mit solchen, die überhaupt aufhören, ein Instrument zu spielen? - Wie sollte Blockflötenunterricht beschaffen sein, um allen das Meiste mitzugeben: Aussteigern, Umsteigern, Aufsteigern? - Möglichkeiten und Bedingungen - Ziele und Strategien - was unterrichten wir denn, abgesehen davon, welche Finger auf welche Löcher kommen, und an welchem Ende man hineinbläst (Musik erleben und verstehen? Die innere Struktur von Musik? Andere Dinge?)...

 

III/4. Die Blockflöte als Einstiegsinstrument

Vor etwa 50 Jahren haben sich die Lehrer moderner Blasinstrumente nicht viel mit Kindern abgegeben: „Lern erst einmal Blockflöte...“, oft zur Verzweiflung ambitionierter Blockflötenlehrer. Mittlerweile haben alle Instrumente das Potential (und den Markt) für den Unterricht mit sehr jungen Schülern entdeckt, so ist den Blockflötenlehrern ein Teil des Kuchens weggenommen worden. Aber Markt-Überlegungen einmal beiseite: Die Blockflöte ist ein (kein?) ideales Einstiegsinstrument, wenn...

 

III/5. Blockflöte und Musikalische Elementarerziehung

Als die musikalische Früherziehung anfing, sich zur eigenen Disziplin zu entwickeln, schien das zu verwendende Instrument selbstverständlich die Blockflöte. Heute ist die musikalische Elementarerziehung zum hoch entwickelten Fach geworden, das Singen, Bewegung, Erfinden und Spielen von Musik und den Gebrauch verschiedener Medien und Instrumente vereinigt. Und trotzdem gibt es eine Nahbeziehung zwischen Elementarerziehung und Blockflöte, die man weiter verfolgen sollte...

 

III/6. Die Blockflöte in der Erwachsenenbildung

Ja, es gibt erwachsene Leute, die ein Instrument lernen wollen. Warum (nicht) die Blockflöte?.. Und es gibt Musikschulen, die nach Schülern suchen, die bezahlten können und wollen...

Und es gibt professionelle Blockflötenspieler und -lehrer, die ihr Können weitergeben wollen (oder nicht?)...

 

III/7. Die Blockflöte in den verschiedenen Bildungseinrichtungen

III/7a. Blockflöte und Musikschule

Eine Musikschule wäre der ideale Ort Blockflöte zu unterrichten, wenn nur...

 

III/7b. Blockflöte in der Ganztagsschule

Wie unterrichtet man ein Instrument in der Ganztagsschule? Wann und wo üben? Was kann und was kann nicht erreicht werden? Was tun, wenn die Ganztagsschule in allen Ländern die Zukunft darstellt? Wie könnte Instrumentalunterricht (und besonders Blockflötenunterricht) integriert werden?

 

III/8. Unterrichtsformen

Einzelunterricht - Ensembleunterricht - Gruppenunterricht - Klassenunterricht (knurr!) - Für und Wider - Ziele, die zu erreichen und zu verfehlen sind...

 

III/9. Didaktik der Blockflöte

Blockflötenlehrer erhalten eine beträchtliche Portion pädagogischer Ausbildung (überall?) - in Fachzeitschriften findet man Artikel zu (beinahe) allen Aspekten des Blockflötenunterrichts - jedes Jahr erscheinen neue Blockflötenschulen - täglich wird neue Blockflötenmusik in allen Schwierigkeitsgraden gedruckt:

Das Niveau des Blockflötenunterrichts müsste sich auf einem Allzeit-Hoch befinden - tut es das?

 

III/10. Repertoire 

Es gibt eine Unmenge an gedruckter Blockflötenmusik für jeden Schwierigkeitsgrad, jede Epoche und Stil. Wie viel davon ist wirklich „gut“ (was heißt „gut“) - wie findet man die Musik, die man sucht? - verwenden, was man schon kennt, oder das halbe Monatsgehalt für Noten ausgeben, die sich als Schrott erweisen? - Zu einem „Kanon“ für den Unterricht brauchbarer Literatur - wenn, wie? - wie die besten Komponisten dazu kriegen, für Schüler geeignete Musik zu schreiben - 

Das erweiterte Repertoire: Arrangements, jazzige Musik, Blockflötenorchester...

 

III/11. Lehrpläne und Prüfungen

Lehrpläne können als willkommene Orientierung und eine Quelle der Inspiration empfunden werden oder als Fessel der kreativen Freiheit. (Wer sollte sie eigentlich erstellen?)

Prüfungen können für Schüler eine willkommene Herausforderung darstellen, oder eine lähmende Bedrohung... Freiwillige Prüfungen (wie im System der unabhängigen Prüfer in den mit England verbundenen Ländern) für alle? (Nicht, wenn es um die professionelle Ausbildung auf Universitätsniveau geht!)

 

 

Kapitel IV: Die Blockflöte als Konzertinstrument

IV/1. Tätigkeitsbereiche

 

IV/2. Repertoire

Wie mit dem immer weiter wachsenden Repertoire umgehen - die Spreu vom Weizen sondern - immer noch neues Land voraus - kompetent vom Mittelalter bis zur Musik von morgen? - Spezialisierung, ob, wann und wie - herausfinden, was man zu sagen hat - die eigene Nische finden... 

 

IV/3. Die Berufssituation

Wo man spielen kann: Festivals, Konzertreihen, Kirchen, andere - was man verdient - Manager und Selbstorganisation - Selbstausbeutung als Basis einer Karriere? - der CD-„Markt“ - 

 

 

 

Kapitel V: Die Berufsausbildung

V/1. Der Blockflötist als Spieler und Lehrer 

Es ist eine Tatsache, dass jeder Blockflötenspieler unterrichtet (unterrichten muss, um den Lebensunterhalt zu verdienen). Vielleicht braucht man keine pädagogische Ausbildung um erwachsene Studierende zu unterrichten, die konzertieren Spieler werden wollen, aber man braucht sie sicher, wenn es um Gruppenunterricht mit 5- oder 6-jährigen Kindern geht!

Viele Blockflöten-Studierende verbinden ein Konzertfachstudium mit einem Lehrdiplom-Studium, wenn diese Wahl möglich ist. Einige Universitäten gestatten ein Konzertfachstudium erst nach Ablegung eines Lehrdiploms. Manche Universitäten bieten überhaupt keine pädagogische Ausbildung an...

Die bewusste Wahl, Blockflötenspieler oder Blockflötenlehrer zu werden...

 

V/2. Die Pyramide: von der Elementarstufe zur Universitätsausbildung

Wie bei allen anderen Instrumenten würde ein gesundes Musik-Ausbildungs-System Blockflötenunterricht auf allen Ebenen aufweisen, von der Elementarstufe bis zur Universitätsausbildung, vorteilhaft in beide Richtungen. Es gibt Länder, die die Blockflöte in den Musikschulen zulassen, bis zum Alter von 12 Jahren, aber dann ist es aus...

In meinem Land...

 

V/3. Inhalte der Ausbildung

V/3a. Technik, Musikverständnis, Emotionalität, Repertoire

Das Übliche. Wie es bei allen anderen Instrumenten ist (sein sollte)...

Umfassende Ausbildung oder Spezialisierung? (Spezialisierung wann?)...

 

V/3b. Historische Aufführungspraxis

Als Interpret Alter Musik: der Zwang und die Freiheit des Blockflötenspielers, eigene Entscheidungen zu treffen - historisch informiert zu sein ist ein Prozess - die Quellen wieder lesen - von Sängern und anderen Instrumentalisten lernen - ...

 

V/3c. Pädagogische Ausbildung

Verpflichtend oder freiwillig - was wird benötigt, was wird gewünscht? - wie eine Basis für lebenslanges Lernen legen - ...

 

V/3d. Angrenzende Tätigkeits- und Ausbildungsbereiche 

Aller Wahrscheinlichkeit nach wird es Blockflötenspielern in ihrem späteren Leben besser gehen, wenn sie zusätzliche Fertigkeiten außerhalb des Blockflötenunterrichts erworben haben...

 

V/4. Und dann: davon leben

Überausgebildet und unterbezahlt...

 

 

 

Kapitel VI: Weitere Entwicklungen

VI/1. Repertoire

Wohin wird es sich, wohin sollte es sich entwickeln?

 

VI/2. Instrumentenbau

Was wünschen wir uns von den Instrumentenbauern - was können wir von ihnen lernen und sie von uns - historische Instrumente und Kopien - ...

 

VI/3. Verlage 

Wozu wir sie brauchen - wofür wir bezahlen - die Verantwortung von Verlegern und Kunden - zu einer neuen Partnerschaft - 

 

VI/4. Organisationen 

Wir alle brauchen ERTA!

 

VI/5. Image-Arbeit

Tja, die ist nötig.

Ideen?